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Demo-Idee macht wenig Freude

09.01.2012 Archiv Davoser Zeitung

Demo-Idee macht wenig Freude

Bald findet es wieder statt, das World Economic Forum (Wef) in Davos. In den letzten Jahren war es Tradition, dass sich die Gegner des Anlasses am Wef-Samstag zu einem Demonstrationszug formierten und durch die Talstrasse zogen. Dieses Jahr soll dies

Andreas Frei / Barbara Gassler

 

«Schlecht», «doof», «blöd», «unglücklich» – die meisten Reaktionen zur Idee einer stationären Wef-kritischen Demonstration auf dem Arkaden-Parkplatz in Davos Platz sind eindeutig; eindeutig negativ. Daneben gibt es aber auch vorsichtig positive Reaktionen. Immerhin, so wird den Organisatoren zugute gehalten, sei es in der Schweiz durchaus legal, zu demonstrieren, sofern man sich dabei an die Regeln hält und es zu keinen «negativen Begleiter-scheinungen» kommt.

 

Chaoten zwischen den Demonstranten

Solche blieben in den letzten Jahren leider kaum aus. Auch an der Demonstration im letzten Jahr kam es zu Sachbeschädigungen und dem, was die Zeitung «Blick» am 29. Januar mit «Randalen» umschrieb. Der Umzug selber verlief dabei weitgehend friedlich, lediglich einige Sprayereien erinnerten nach dem Vorbeimarsch an die Veranstaltung. Anders lief der Schluss der Veranstaltung im Dorf ab, wo es seitens einiger Chaoten, die sich unter die Demonstranten gemischt hatten, zu Provokationen und Sachbeschädigungen kam. Die Polizei antwortete mit Gummischrot und dem Einsatz von Wasserwerfern.

 

Wichtige Demonstration

2012 soll der Demonstrationszug nun entfallen – nicht weil dieser von der Gemeinde nicht bewilligt würde, sondern weil die Organisatoren dies so wünschen. Stattdessen soll eine Veranstaltung auf dem Arkadenplatz durchgeführt werden. Der Demonstration stand die Gemeinde in den letzten Jahren offen gegenüber. «Es ist wichtig, dass die Demonstration stattfinden kann. Wenn wir sie verbieten würden, könnte man uns zu Recht als repressiv beschimpfen», wurde der Davoser Landammann Hans Peter Michel am 1. Februar 2011 in der «Davoser Zeitung» zitiert. Er war gestern für die DZ nicht erreichbar. Und auch für den Anlass auf dem Arkadenplatz stehen die Zeichen günstig, wie die «Südostschweiz» letzte Woche berichtete. Ein offizielles Gesuch war allerdings bei der Gemeinde noch nicht eingegangen. Hans Peter Michel bezeichnete die Veranstaltung aber als «Alternative, die sich ernsthaft zu prüfen lohnt». Wichtig sei, dass sich die Demonstranten friedlich verhalten würden.

 

Skeptische Gewerbler

Damit legt Michel den Finger genau auf die wunde Stelle, denn die Mehrheit der Gewerbler um den Platz steht der Idee mehr als skeptisch gegenüber. «Wir halten nichts davon», sagte etwa Ruth Thöny vom gleichnamigen Bekleidungsgeschäft. Nur schon weil der wichtige Parkplatz an jenem Samstag nicht genutzt werden könne, vermöge sie der Idee nichts abzugewinnen. Sie und ihr Mann hätten sich mit weiteren Gewerblern unterhalten, und es töne von allen Seiten gleich, sagte sie. Sollte die Gemeinde den Anlass offiziell bewilligen – dies allen Widerständen vonseiten des Gewerbes zum Trotz – hätte sie auch dafür zu sorgen, dass niemand zu Schaden komme. Sie beabsichtige nicht, ihren Laden zu verteidigen, sondern erwarte, dass die Gemeinde, welche den Anlass bewillige, für adäquaten Schutz sorge. Reto Meerkämper vom gleichnamigen Optikergeschäft ist gegen eine Demonstration auf dem Arkadenplatz: «Es soll sicher keine Demonstration hier geben. Immerhin wissen wir nicht, ob die Chaoten wieder dabei sind. Und rund um den Arkadenplatz können sie doch einiges mehr kaputt machen als zum Beispiel auf dem Bahnhofplatz.» Optimistischer zeigt sich die Geschäftsführerin Sarah von Arx vom Remo Gross Jeans Shop. Sie habe keine Probleme mit der Demonstration, solange sie friedlich verläuft. «Ein jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen. Allerdings befürchte ich schon Sachbeschädigungen wie vor einigen Jahren beim ‹McDonald’s› im Dorf», sagte sie. – Keine Stellung nehmen wollte die Kantonalbank, und Rolf Marugg von den Davoser Grünen sah sich als Vertreter der Organisatoren des Anlasses aus zeitlichen Gründen ausserstande, die Anfrage der «Davoser Zeitung» zu beantworten.

 

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