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Die richtigen Prioritäten setzen

05.08.2010 Archiv Davoser Zeitung

Die seit über 20 Jahren dauernde Zusammenarbeit zwischen der Davoser ARGO und der Malanser Synbone AG ist gegenwärtig im Umbruch. Gründe dafür sind ein steigendes Arbeitsvolumen und die zunehmende Komplexität der Anforderungen. Zeit, sich auf den Kernauftrag der ARGO als geschützte Werkstätte zu besinnen.

 

Barbara Gassler

 

Spricht man die Verantwortlichen auf die in Davos kursierenden Gerüchte über eine Auflösung der Zusammenarbeit an, reagiert man sehr erstaunt. «Auf gar keinen Fall», erklärt Thomas Parkel, Geschäftsführer der Synbone AG, die Kunstknochen für die Ausbildung von Fachärzten herstellt. «Es war jedoch nötig, die Zusammenarbeit auf eine neue Basis zu stellen.» Und auch der Geschäftsleiter der 1970 unter der Bezeichnung «Stiftung Bündnerische Eingliederungsstätten für Behinderte» gegründeten ARGO, Ruedi Haltiner, meldet sich zu Wort: «Die ARGO ist im Interesse ihrer Werkstätte Davos sehr froh über die Fortführung der Zusammenarbeit. Die Synbone AG ist und bleibt ein wichtiger und interessanter Auftraggeber für die ARGO.»

 

Personal für Produktion

Den Grund für die Unsicherheit kann Klaus Krattenmacher, seit März 2009 Werkstättenleiter der ARGO Davos,
erklären: «Im Zuge unserer Rückbesinnung auf unsere Kernkompetenz als Geschützte Werkstätte verringerten wir die Anzahl der nicht behinderten Mitarbeiter, indem befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden.» Weniger Betreuungspersonal bedeutet doch auch weniger behinderte Mitarbeiter, ist man versucht zu fragen. Wiederum nein, lautet die Antwort. Es habe sich ausschliesslich um Mitarbeiter gehandelt, die speziell zur Bewältigung der Produktionsspitzen angestellt worden seien, erklärt der Werkstätten-leiter. Doch auch diese Begründung ist weiter erklärungsbedürftig, und so wird klargestellt: «Bisher war es so, dass die Halbfabrikate in Malans hergestellt und zur Endfertigung, Montage sowie für den Versand an die Kundschaft nach Davos geliefert wurden. In den letzten Jahren hat das Volumen dieser Aufträge stetig zugenommen, und anspruchsvollere Produkte mussten in kürzerer Lieferzeit bereitgestellt werden.»

 

Zunehmender Druck

Das habe bedeutet, dass man zunehmend unter grossem Druck gestanden habe, die Aufträge auszuführen. Und Druck ist genau das, was in einer Geschützten Werkstätte eigentlich gar nicht erlaubt ist. «2009 holten wir Mitarbeiter aus anderen ARGO-Werkstätten nach Davos und stellten nicht behinderte Mitarbeiter ein, damit sie die Produktion beschleunigten. Schliesslich hatten wir jeden verfügbaren Arbeitsplatz besetzt, und es ging zu wie in einem Bienenstock.» Während sich die nach Davos geholten, temporären ARGO-Mitarbeiter über die dadurch gezeigte Wertschätzung freuten, wurde es für Krattenmacher zunehmend schwieriger, seine eigenen Leute für die Arbeit in der Kunstknochenproduktion zu motivieren: «Sie waren der ständigen Hektik, dem durch die vielen Leute entstandenen Lärmpegel, dem dauernden Wechsel einfach nicht gewachsen. Wenn sie es wären, müssten sie nicht hier in einer Geschützten Werkstätte tätig sein.»

 

Lösungen finden

So setzte man sich mit Syn­bone, die alleine immerhin für fast die Hälfte der Davoser Aufträge aufkommt, zusammen und suchte Lösungen. In einem ersten Schritt wurde die Produktepalette überprüft. Was kann in Davos in grösserer Stückzahl produziert werden? Welche Produkte können auf Vorrat hergestellt werden? Mit dem neuen Regime ist bei der ARGO wieder mehr Ruhe eingekehrt. Es werden noch immer Kunstknochen aller Art bearbeitet, die Auftragsbeendigung, genauso wie die Endfertigung komplizierter Aufträge wi­ckelt jetzt jedoch die Synbone oder ein von ihr noch zu bestimmender Drittanbieter selber ab. «Wir wollen die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der ARGO weiter in ihrer ­neuen Form fortsetzen», lässt Synbone-CEO Parkel keine Zweifel.

 

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