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Endlich ein «Zuhause» gefunden

12.04.2010 Archiv Davoser Zeitung

Eigentlich hätten die zahlreichen Jugendlichen auf die vielen Erwachsenen, die zur Eröffnung des neuen Jugend- und Kulturzentrums «Living Room» erschienen waren, verzichten können. Doch der «Living Room» richtet sich ausdrücklich an ein gemischtes Publikum, und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu warten, bis die «Alten» das Feld geräumt hatten.

 

Barbara Gassler

 

Dann aber durften sie das erste Mal die beiden Räume an der Bahnhofstrasse 19 in Besitz nehmen und feierten das mit einem Auftritt der Davoser Band «Acoustic Busted» bis spät. Es sind jedoch ganz unterschiedliche Gruppierungen, die sich ebenfalls über die Möglichkeit zur Nutzung der ehemaligen Räumlichkeiten des «Mittagstisches» im Dorf freuen. Da sind einerseits die «IG offenes Davos» sowie die JUSO, das Jugendtheater, das Mal- und Musikatelier genauso wie die Pfadi und Cevi. Gegenwärtig federführend sind allerdings der «Jugendtreff», der «FamilienRat» und die im gleichen Haus einen Stock weiter unten beheimatete «Box» der «Autonomen Jugend Davos». Vertreter dieser Organisationen bilden ein «Care Team», das sich um die Koordination der verschiedenen Aktivitäten und der Nutzung kümmert.

 

«Zuhause» fehlt

 

Dem Ganzen zugrunde liegen die im Juni 2008 vorgestellten Resultate einer Studie der St. Galler Hochschule für angewandte Wissenschaften zur Situation der Jugendlichen in Davos in Bezug auf Treffpunkte und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. Ganz klar ging daraus hervor, dass die Jugendlichen in Davos kein «Zuhause» haben. Einen Ort, den sie selber mitgestalten und an dem sie sich ohne Konsumzwang aufhalten können. Ähnliche Probleme kennen allerdings auch andere Organisationen, und als Roland Clemenz, Leiter des Davoser Sozialdienstes, im vergangenen Oktober die Räumlichkeiten im «Meisser Haus» ins Spiel brachte, war das Interesse gross. Ein Konzept wurde entwickelt und dem Kleinen Landrat vorgelegt, welcher dieses im Februar genehmigte und damit den verschiedenen Interessengruppen die Räume überliess. «Dem Kleinen Landrat gebührt ein grosses Dankeschön für dieses Entgegenkommen. Offenbar wird die Notwendigkeit eines solchen Zentrums ernst genommen», kommentiert Clemenz. Das genehmigte Konzept enthalte zwar viele Ideen, doch: «Gegenwärtig stehen wir ganz am Anfang, die verschiedenen Möglichkeiten müssen sich erst noch entwickeln», sagt Regina Geiger Ohnmacht, eine der Vertreterinnen des «FamilienRats» im «Care Team». «Wir wollen bewusst nichts Fixfertiges anbieten, denn genau das war das Problem in den bisherigen Räumlichkeiten der Milch-Arena.»

 

Einrichtung

 

So legten sich Jugendliche vom «Jugendtreff» um Leiterin Lia Schön am vergangenen Mittwoch ins Zeug und zügelten zuerst einmal einen Teil ihres Mobiliars in die neuen Räumlichkeiten. Billard- und Töggelitisch sollen in einer zweiten Anstrengung den Weg finden, die Bänke und Tische wurden extra für diesen Abend von der Hochgebirgsklinik herbeigeschafft. «Im Moment besitzen wir noch nicht einmal einen Staubsauger», weiss Geiger zu berichten, freut sich aber auf die erste «Piazza», den freitäglichen Familientreff des «FamilienRats». «Jeder Benutzer ist natürlich dafür verantwortlich, die Räumlichkeiten anschliessend in aufgeräumtem und gereinigtem Zustand an den Nächsten weiterzugeben.» Die zeitliche Staffelung macht es möglich, dass so viele unterschiedliche Interessenten unter einem Dach zusammen- finden können. Finden die einen Anlässe jeweils zu festen Zeiten tagsüber statt, weiss man die Räumlichkeiten regelmässig am Mittwochnachmittag und vor allem am Wochenende abends vom «Jugendtreff» besetzt. Neben diesen Fixpunkten bleiben für die Zeit dazwischen viele Möglichkeiten.

 

Leben einhauchen

 

Eine weitere Nutzung soll zum Beispiel ein «Lehrlingslunch-Treff» sein. Wie dieser allerdings genau aussehen soll, ist gegenwärtig noch offen. «Das wird sich nach den Bedürfnissen richten», kommentiert Geiger. Eigeninitiative ist auch beim «Schwarzen Brett» gefragt. Hier sollen Fähigkeiten und Kompetenzen angeboten und ausgetauscht werden, genauso wie Filme und Bücher in einer Tauschbörse immer wieder neue Liebhaber finden sollen. Daneben sollen die Räumlichkeiten für kreatives Schaffen genutzt werden können, wenn nicht gerade ein Vortrag oder Filmabend angesetzt ist. Angedacht ist auch, die Räumlichkeiten weiterzuvermieten. Ein Geburtstagsfest unter Kollegen, ganz ohne die Einmischung von um ihre Einrichtung besorgter Mütter? Ein wirklich faszinierender Gedanke.

 

 

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