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Wird Klosters zur Fusions-Milchkuh?

18.08.2011 Archiv Klosterser Zeitung

Wird Klosters zur Fusions-Milchkuh?

Gerade erst ist der erste Info-Flyer des Projektteams für eine Fusion der politischen Gemeinden Klosters-Serneus, Saas, Küblis, Luzein und St. Antönien ins Haus geflogen.

Jetzt kommt aus Chur einen wenig erbauende Mitteilung. Die neue Einteilung der Bündnergemeinden nach Finanzkraft zeigt für die «Bräute» magere Mitgift.

 

Johannes Haltiner

 

Die Gemeinde Klosters-Serneus ist in der Finanzkraftgruppe 2 (finanzstark) eingeteilt, während Küblis und Luzein in der Finanzkraftgruppe 4 (finanzschwach) sowie Saas und St. Antönien in die Finanzkraftgruppe 5 (sehr finanzschwach) eingeteilt wurden. Diese Einteilung wurde von der Bündner Regierung erst am 9. August beschlossen, beziehungsweise bestätigt.

 

Wie aus dem Flugblatt hervorgeht, war diese Situation dem Projektteam wohl bekannt. Es mutet dann etwas kurios an, wenn die in der Finanzkraftgruppe 3 (mittelstark) eingeteilte Gemeinde Conters aus dem Fusionsstrudel herausgehalten werden soll. Auch für Klosters ist das Bedürfnis nach Fusion nicht stärker vorhanden als in Conters, doch sollte, wenn schon Fusionen, eine gewisse Solidarität unter den Gemeinden im hintern Prättigau auszumachen sein.

 


Arbeitsgruppe wurde gegründet

 

Der Fusionsgedanke ging ursprünglich vom Grossen Rat aus, wo der Wunsch nach weniger Gemeinden Oberhand gewann. Die Gründe sind bekannt. Kleine und kleinste Gemeinde haben nicht nur finanziell Mühe, sonder sehen sich bei der Besetzung der notwendigen Amtsstellen vor unlösbare Aufgaben gestellt. Da liegt der Gedanke nahe, durch Zusammenschlüsse grössere Verwaltungsgruppen zu bilden, welche die anstehenden Probleme besser lösen können. Davon betroffen sind auch die meisten Gemeinden im Prättigau.

 

Der Zusammenschluss der Gemeinden Grüsch, Fanas und Valzeina zur Gemeinde Grüsch ist ohne nennenswerte Probleme zustande gekommen und funktioniert einwandfrei. Als nächste Kandidaten stehen nun die Gemeinden im Hinterprättigau im Fokus.


Eine seit Beginn dieses Jahres tätige Arbeitsgruppe umfasst neben Vertretern der involvierten Gemeinden (Gemeindepräsidenten, Vorstandsmitglieder, Gemeindeschreiber) auch solche des Amtes für Gemeinden. Geleitet wird die Arbeitsgruppe durch das Zentrum für Verwaltungsmanagement der HTW Chur. Ebenfalls dabei sind die Grossräte der betroffenen Kreise.

 


Wird es eine Grossgemeinde?

 

Die neue «Grossgemeinde» wird in erster Linie eine Verwaltungseinheit darstellen, die von allen teilnehmenden Gemeinden gewisse Kompromisse fordert. So werden die Einwohner manche Verwaltungsstelle nicht mehr im eigenen Dorf finden, sondern in einem Verwaltungsgebäude andernorts. Das trifft nicht nur auf Klosters-Serneus zu, sondern auch auf alle übrigen Gemeinden.

 

Im Flyer wird die politische Struktur wie folgt vorgeschlagen: Oberstes Organ ist das Stimmvolk. Es wird vertreten durch ein Parlament, einen Gemeinderat mit 21 Mitgliedern (Legislative, Klosters-Serneus heute 15). Der Gemeindevorstand (Exekutive) soll sieben, später fünf Mitglieder umfassen.

Im 21-köpfigen Gemeinderat soll Klosters-Serneus für die erste Amtsperiode 10 Sitze zugesichert werden. Später dürften es mehr werden! Was die Finanzen betrifft, rechnet das ZVM mit einem Gemeindesteuersatz wie ihn die grösste Gemeinde, nämlich Klosters-Serneus, schon bisher hatte. Dieser liegt um einiges tiefer als in den andern am Projekt beteiligten Gemeinden.

 

Zu dieser Berechnung kommt das ZVM, weil in der neuen Gemeinde sehr viele der jetzt anfallenden Kosten eingespart werden können. – Wenn man an die aufwändigen Gemeindeverwaltungen in allen fünf Gemeinden denkt, kann man dieser Aussage nur beipflichten. Auch ist nicht bestritten, dass gewisse Annehmlichkeiten, die die dezentrale Verwaltung mit sich brachte, verschwinden werden. Dass das geht, ohne die Attraktivität dieser Orte zu gefährden, beweisen Beispiele im Kanton und über die Grenzen von Graubünden hinaus. Denke man nur an die rigorosen Gemeindezusammenschlüsse im Kanton Glarus!

Der Flyer war eine erste Information. Ideen, Bedenken, Kommentare nimmt das Projektteam gerne entgegen.

 

Und noch etwas: noch ist die Fusion nicht beschlossen, es sind erst Gedanken dazu.