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Der Tourismus und die Wetterprognosen

21.01.2010 Archiv Klosterser Zeitung

Der Tourismus ist von vielen Faktoren abhängig, von der Konjunktur, von der politischen Lage, von der Jahreszeit – und natürlich auch vom Wetter. Da ist es selbstverständlich, dass Touristiker die Wetterprognosen, wie sie über das Fernsehen und das Radio verbreitet werden, genauer anhören.

 

Johannes Haltiner

 

Die Wetterprognosen werden in den Tourismusgebieten nicht nur genauer wahrgenommen, sondern auch mit einem gewissen Argwohn verfolgt. Man erinnere sich an den treffenden Sketch vom «Cabaret Rotstift», der das Erlebnis des Touristikers – in diesem Fall des Wirts eines Bergrestaurants – so widerspiegelt, wie es sich jedes Wochenende zuträgt. Am Fernsehen erläutert eine frierende, dicht eingehüllte Wetterfee auf dem Dach des TV-Studiogebäudes, dass mit Schneefall und Regen zu rechnen sei. In Wirklichkeit wölbt sich am angesprochenen Tag ein stahlblauer Himmel über einem fast menschenleeren Skigebiet.

 

Frust auf beiden Seiten


Was ist schiefgelaufen? Das wollen auch der Kurdirektor, der Hotelier, der Wirt vom Bergrestaurant wissen. Sie greifen zum Telefon, schreiben E-Mails und geharnischte Briefe und erhalten zur Antwort, dass die nationalen Prognosen nicht auf die Wetterlage jeder einzelnen Subregion eingehen können und genauere Prognosen übers Telefon zu erfragen seien. Die Folgen solcher Auseinandersetzungen über das ohnehin schwierige Gebiet der Prognostik sind Frust auf beiden Seiten. Die Meteorologen wehren sich dagegen, ihre Prognosen auf die Bedürfnisse des Tourismus auszurichten – und dann erst noch auf diejenige einer ohnehin schwierig zu prognostizierenden Gegend. Sie behaupten von sich, unbestechlich in ihrer Arbeit zu sein.
Das wiederum ruft den Protest der Touristiker hervor – leider viel zu wenig denjenigen der Touristen! Die Unbestechlichkeit wird bezweifelt, wenn jeweils vor und nach der Wettersendung darauf hingewiesen wird, wer diese als Sponsor ermöglicht hat. Und dann kommt noch die Frage hoch, für wen diese Prognosen überhaupt gemacht werden: Für die Meteorologen selbst? Für die davon abhängige Wirtschaft wohl kaum, denn das wäre ein schmutziges Geschäft. Für die Leute, die sich dafür interessieren, weil sie sich nach draussen begeben wollen, sei es in nächster Umgebung oder auf weitere Fahrt? Wenn, was wir annehmen, das Letztere zutrifft, so schiessen sie zu oft daneben. Nicht, dass die Prognosen nicht stimmen würden, doch sie werden zu wortreich und schwer verständlich präsentiert. Da werden für Laien schwierige Zusammenhänge in gehetztem Tempo heruntergeleiert, dass am Schluss wenig bis nichts mehr übrig bleibt. Weiter sind die Prognosen für unsere Begriffe zu pessimistisch abgefasst. Es wird immer betont, wo es regnet oder schneit, wo Eisglätte herrscht oder wo der Wind stark bläst, aber wo eitel Sonnenschein und schönes Wetter herrscht, wird der Interpretation der Zuschauer bzw. Zuhörer überlassen. Wer Genaueres wissen will, kann immer noch zum Telefon greifen und sich die lokale Prognose – gegen Gebühr wohlverstanden – geben lassen! Auf der andern Seite beklagen die Wetterpropheten, dass sie vom Tourismus und seinen Vertretern massiv unter Druck gesetzt werden, ihre Prognosen den Bedürfnissen dieser Branche anzupassen. Nicht von ungefähr steht auf dem Programm des 5. Extrem-Wetter-Kongresses in Bremerhaven, der vom 4. bis 6. März stattfindet, ein Vortrag von Felix Blumer (SF Meteo) zum Thema «Wenn Touristiker die Wetterprognosen diktieren». Und er ist nicht allein in der Abwehr solcher Einflüsse. Die Presse, insbesondere die Regenbogenpresse, fordert süffisantere Prognosen, vermutlich noch pessimistischere!

 

Interpretation und Information notwendig


Als Folge dieser Auseinandersetzung müssen und können die Leute, die ihre Entscheidung vom Wetter abhängig machen, aufgefordert werden, sich via Internet oder Telefon lokal genauer zu informieren. Hotelier, Bergbahn- und Tourismusverantwortliche können wegen ihrer langjährigen Beobachtung und Erfahrung oft ebenso gut voraussagen, wie das Wetter an ihrem Ort wird. Internetseiten, Telefon-Auskunftautomaten usw. können weltweit abgerufen oder angehört werden, um sich ein Bild vom örtlichen Wetter zu machen. Nur die Wetterprognose am TV oder Radio genügt eben nicht – ein Supertag mit stiebendem Pulverschnee könnte verpasst werden!

 


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