Sind wir den Pessimisten ausgeliefert?
08.04.2010
Archiv Klosterser Zeitung
Kaum regt sich irgendwo auf der Welt ein bisher unbekannter Stamm von Viren- oder Bakterienstämmen, wird schon von Pandemie gesprochen. Letztere findet dann zwar nicht statt, aber die Auswirkungen der Unkenrufe bleiben uns erhalten.
Johannes Haltiner
Haarsträubendstes Beispiel ist die Schweinegrippe, die uns den letzten Winter buchstäblich versaut hat. Da wurde «auf Teufel komm raus» geimpft. Schuld daran waren die fürchterlichen Prognosen von «Wissenschaftern», denen es offensichtlich an Wissen mangelte. Zur Geschichte: Im Oktober 2009 meldete eine Gesellschaft für Impfwesen in einem deutschen Bundesland: «Auch bei einem milden Verlauf ist im kommenden Herbst und Winter mit 25 000 bis 35 000 Toten in Deutschland zu rechnen. Diese Zahl ist auf keinen Fall zu hoch gegriffen.» Von der sensationshungrigen Regenbogenpresse süffisant verbreitet, fand diese Hiobsbotschaft Glauben bis in die umliegenden Länder. Die Tatsache: Bis Ende Februar 2010 bertug die tatsächliche Zahl von Todesfällen, die der Grippe zugeschrieben werden, in ganz Deutschland 226. Nun werden Sie sagen: Keine Kunst, wenn alle geimpft waren. Aber genau das traf nicht zu. Tatsächlich haben sich in Deutschland bis Ende 2009 gerade mal acht Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Die oben zitierte Presse titelte dann auch: «Das Virus, das keiner ernst nimmt.» Nachgewiesenermassen war es weder die Pharmaindustrie noch die WHO (Weltgesundheitsorganisation), die für die Panikmache verantwortlich gemacht werden könne. Vielmehr sind es die Pessimisten in den staatlichen und überstaatlichen Organisationen, die mit ihren verheerenden Prognosen eine Pandemie ganz anderer Art als das Schweinegrippe-Virus ausgelöst hatten.
Niemand bestreitet das Vorhandensein dieses Virus, nur die Auswirkungen sind weit harmloser als die Prognosen, aber was solls: Nächstes Jahr findet sich ein neues Virus, das bisher nicht bekannt war und das genügend Stoff für pessimistische Prognosen liefert.
Vom Waldsterben bis zur Sommerzeit
Die Schweinegrippe war beileibe nicht die erste derartige Fehlwarnung. Da war schon Jahre vorher das Waldsterben, das zwar nie stattgefunden hat. Die Massnahmen, die damal in die Wege geleitet wurden – Tempo 120 auf den Autobahnen, 80 ausserorts – sind bis heute in Kraft geblieben. Ähnlich ist es mit der europaweiten Einführung der Sommerzeit gegangen. Pessimisten haben schon vor Jahrzehnten das Ende der Erdölvorräte in der Erde vorausgesagt und uns damals die Sommerzeit als Heil bringende Energiesparmassnahme verkauft. Gebracht hat sie allerdings überhaupt nichts Positives. Der Energiespareffekt liegt bei gleich null.Da drängt sich einem die Frage auf, weshalb diese Nonsens weiter beibehalten werden. Auch hier ein Effekt, der solchen Massnahmen eigen ist: Einmal eingeführt, sind sie nicht mehr wegzubringen! Namhafte Schlaf- und Hirnforscher haben in etlichen Veröffentlichungen versucht, nachzuweisen, dass mit der Sommerzeit die von den Vorfahren geerbte innere Uhr arg durcheinandergebracht wird. Danach gehören etwa 15 Prozent der Menschen in unseren Breitengraden zu derjenigen Spezies, die wir als «Morgenmenschen» bezeichnen und die keine Auswirkungen der Sommerzeit spüren. Etwa 65 Prozent gehören zu den normalen Chronotypen, die die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, und die mit der Umstellung Probleme haben. Weit härter trifft es die etwa 20 Prozent «Eulen» mit tendenziell sehr langsam gehenden inneren Uhren. Sie leben den ganzen Sommer über in einem «sozialen Jetlag». Während der Arbeitswoche werden sie abends nicht rechtzeitig müde und müssen morgends zu früh aufstehen. Das führt zu Schlafmangel, der am Wochenende nur teilweise kompensiert werden kann.
Viele wissenschaftliche Gegner der Sommerzeit sind sich einig, dass voraussichtlich nichts passiert. Sie sehen zwei Möglichkeiten zur Überwindung dieser Probleme: Entweder wir passen unseren Lebensrhythmus Ländern wie Spanien an und beginnen mit der Arbeit morgens später, unterbrechen sie durch eine Siesta und nehmen das Abendessen frühestens um 21 Uhr ein – oder wir simulieren Sonnenauf- und -untergänge, setzen uns morgens vor eine Lichttherapie-Lampe und laufen abends mit Sonnenbrillen herum. Aber wer weiss – bleiben wir Optimisten!
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