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Der Intensivtag des Gemeinderates, der sich, zusammen mit Vorstand, Gemeindepräsident und den frisch gewählten Ratsmitgliedern, den wichtigsten anstehenden Fragen widmete und auch Lokaltermine vor Ort wahrnahm, brachte wohl wenig Neues zutage, hatte aber doch einen grossen Nutzen.
Die Intensivtagung des Gemeinderates startete um 8.30 Uhr mit der offiziellen Sitzung. Hierbei wurde eine Vorberatungskommission betreffend der Volksinitiative für die Beschränkung des Zweitwohnungsbaus und dem Gesetz über die Kontingentierung von Zweitwohnungen gewählt. Dieser gehören die Gemeinderäte Peter Aebli, Marc Däscher, Marco Marugg, Georg Valär und Daniel Wegmüller an.
Immer weniger Spielraum bei der Zonenplanung
Der «theoretische» Teil am Morgen begann mit dem Thema Raum- und Zonenplanung. Gabriel Werro, Ortsplaner der Gemeinde Klosters-Serneus, informierte die Anwesenden über die laufende Zonenplanung – ein sehr komplexes Thema. Eine Teilrevision derselben ist im Gange. Allerdings reichen die kantonalen Vorschriften immer weiter, sodass den Gemeinden weniger Spielraum bleibt. Das Erstellen von Quartierplänen spielt in dieser Thematik eine wichtige Rolle. Wie Regierungsrat Hansjörg Trachsel bestätigte, würden ohne regionales Siedlungskonzept vorerst gar keine neuen Einzonungen vorgenommen werden können. Nicht zur Bauzone gehört die sogenannte Gefahrenzone 1. In Serneus, so Werro, sei eine Erweiterung der Gewerbezone geplant, dazu ist allerdings noch eine Rodung nötig. Sollte das Gebiet «Spetzger» umgezont werden, so sind da nur Erstwohnungen gestattet, so die kantonalen Bestimmungen.
«Wir drehen uns im Kreis»
Gemeindepräsident Rudolf Hübscher bemängelte die fortschreitende Beschneidung der Gemeindeautonomie durch den Kanton mit deutlichen Worten: «Dieses ‹Plagen› der Gemeinden ist nicht richtig, und ich werde dagegen ankämpfen!.» Eines der Hauptthemen des Intensivtages war die geplante Schulanlage «Christlis». Der Grund, warum dieses Projekt überhaupt ins Auge gefasst wird, ist einerseits der desolate Zustand der Oberstufen-Schulanlage. Andererseits kommt der Flächenbedarf von rund 1000 Quadratmeter Schulraum für Kindergärten, Primar- und Oberstufe dazu. Schulratspräsidentin Anina Grass-Klainguti erklärte, dass auch die zu erwartenden sinkenden Schülerzahlen nicht so sehr ins Gewicht fallen würden, denn diese würden sich auf das gesamte Gemeindegebiet beziehen und nicht auf einzelne Fraktionen. Ein weiterer Grund für den Standort «Christlis» ist die unmittelbare Nähe der jetzigen Anlagen zur Kantonsstrasse. Schulleiter Hans-Michel Steiner erklärte, dass in der momentanen Lage das Erfüllen der Lehrpläne nicht möglich sei. Dies aufgrund des Mangels an Turnhallen, Werk- und Gruppenräumen. Die Anwesenden waren sich einig, dass der Schaffung von genügend Schulraum hohe Priorität einzuräumen sei. Die Frage, was im Falle einer Zustimmung zu «Christlis» mit den bestehenden Anlagen geschehe, stehe dabei momentan nicht im Vordergrund – eine geeignete Nutzung werde man bestimmt finden, aber man dürfe sich nicht von dieser Frage im Vorangehen bremsen lassen. Die Gemeinde wolle sich aber keinesfalls als Spekulantin betätigen und die Schulhausareale teuer verkaufen, umso mehr, als für den Bau der Schulhausanlage «Christlis» im schlimmsten Fall Enteignungen zum Tragen kämen. Die Anwesenden waren sich einig, dass man sich seit Langem in Sachen Schulraumschaffung im Kreis drehe, und stellten dringenden Handlungsbedarf fest.
«Christlis» kein Zentralschulhaus
Eine Konsultativ-Volksbefragung sei zwar wünschenswert, aber bringe kaum den gewünschten Effekt, da dem Stimmvolk mit konkreten Projekten begegnet werden müsse. Oder anders gesagt: Ohne Projekt keine Abstimmung. Gabriel Werro erhielt von der Gemeinde den Auftrag für Vorabklärungen, dazu ist eine Begleitkommission tätig, der Andreas Mathis, Anina Grass-Klainguti, Maria Meyer-Grass und Peter Aebli sowie Schulleiter Hans-Michel Steiner angehören. Eine Begehung der Schulräume stiess in der Bevölkerung auf erstaunlich geringe Resonanz. Gemeinderat Daniel Wegmüller betonte, dass es sich beim geplanten Schulhausbau auf «Christlis» nicht um ein Zentralschulhaus handle, wie das früher kommuniziert worden sei. Man wolle auch nicht Uneinigkeit unter den Fraktionen verursachen, umso mehr, als Serneus, Klosters Dorf und Aeuja/Monbiel über geeignete Schulräume verfügen würden. Obwohl es im Moment verfrüht ist, eine genaue Prognose zu machen, bezifferte Gemeindevorstand Andreas Mathis die Kosten auf etwa 25 Millionen Franken, wobei er betonte, das sei «sehr grob geschätzt».
Montana-Parkhaus mit Anschluss an Bahnhofstrasse
Schliesslich stand das Montana-Areal mit dem geplanten Parkhaus zur Debatte. Was bei dieser Problematik hemmend wirkt, ist die immer noch offene Frage, was über das Parkhaus zu stehen kommt. Nachdem der Gemeinderat 1991 grünes Licht für einen Projektauftrag gegeben hatte, lehnte derselbe Rat das ausgearbeitete Projekt 1993 ab. Der Bau des Parkhauses allein wäre zwar möglich, aber je nach Aufbau ineffizient. Der Bau einer Altersresidenz mit den erforderlichen Infrastrukturen sowie ärztlicher Betreuung steht dabei ebenso zur Debatte wie der Bau eines Kongressgebäudes oder -hotels. Die Gemeinde will sich jedoch in dieser Richtung nicht als Betreiberin engagieren. Ebenso kann es sein, dass je nach Projekt die geplanten 300 Parkplätze zu wenig sind. Unbestritten ist die Anbindung an die Bahnhofstrasse und bestehende Parkhäuser mit dem Ziel, die Bahnhofstrasse verkehrsarm zu machen. Nach einer Vorstudie soll nun ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben werden. Anina Grass hatte die sympathische Idee und Vision, über dem Parkhaus eine Grünanlage zu erstellen, die dem überbauten Dorfkern bestimmt gut anstünde. Am Samstagnachmittag standen dann die «Lokaltermine» auf dem Programm. Als Erstes informierte der Oberstufen-Schulabwart, Thomas Kobler, über die Zustände, die er in den Schulhäusern angetroffen hat, und zeigte ein paar der schlimmsten Stellen. Die Wassereinbrüche in der Turnhalle und deren Spuren sind nur ein Teil davon. Auch die Duschräume sind davon betroffen. Falls die Turnhalle später für die Bedürfnisse der Feuerwehr genutzt werden soll, so durch den Einbau einer zweiten Etage für Theorie- und Materialräume, würde dies die Gemeinde nicht von einer Turnhallensanierung entbinden. Die alleinige Sanierung käme auf etwa 3,5 Millionen Franken zu stehen, denn Fassade, Dach und Fenster müssen so oder so renoviert werden. Eine Umnutzung würde nochmals 2 Millionen Franken kosten.
Abwaschen mit Kaltwasser
Schulräume wie das Naturkundezimmer sind deutlich zu klein und genügen den heutigen Ansprüchen und Erfordernissen keinesfalls mehr. Beim Besuch der Kochschule im Realschulgebäude wurde den jetzigen und künftigen Behördemitgliedern der Ernst der Lage gänzlich klar, denn diese Räumlichkeit ist noch genau gleich eingerichtet wie zur Schulzeit der Anwesenden. Dass die Kochschüler/innen gezwungen sind, etwa mit kaltem Wasser abzuwaschen, ist für die Schüler/innen nicht gerade erbaulich. Immerhin sollte hier moderner Kochunterricht betrieben werden und nicht Nostalgie!
Schmucke Bahnhofstrasse
Etwas angenehmer war der Lokaltermin in der Bahnhofstrasse. Daniel Wegmüller führte die interessierte Gesellschaft durch die Baustelle, die bereits jetzt erahnen lässt, dass sich die Bahnhofstrasse nach Ablauf der Phasen 2 und 3 in einem neuen, attraktiven Gewand zeigen wird. Damit die Gestaltung einen einheitlichen Charakter aufweist, hat sich die Gemeinde bereit erklärt, diese auch bei den Vorplätzen der Anwohner zu übernehmen. Für Fussgänger wird die neue Bahnhofstrasse deutlich attraktiver. Ein niedriger Niveauunterschied soll dies unterstreichen. Die Reduktion der Parkplätze und die attraktive Pflästerung lassen viel Spielraum für Aktivitäten und Aufenthaltszonen. Der Coop hat sich – als einziger notabene – an den Kosten beteiligt.
Ein Wermutstropfen wird die notwendige Beschilderung der Parkplätze sein. Ein Anschluss an das
geplante Parkhaus Montana ist ebenerdig vorgesehen, allerdings nur für den Fussgängerverkehr. Die ein- und ausfahrenden Autos verkehren über die Kantonsstrasse mit dem «Montana» und belasten deshalb die Bahnhofstrasse nicht zusätzlich. Bäume, attraktive Lampen und mobiler Blumenschmuck ergänzen das Bild. Die Einmündung Kantonsstrasse, welche mancherorts auf Unverständnis stösst, ist durchdacht. Durch den Knick bei der Einfahrt sind die Autofahrer gezwungen, das Tempo zu reduzieren. Die kommende Sanierung der Kantonsstrasse von der Silvrettabrücke bis zum Kanal wird die Einmündung harmonischer erscheinen lassen.
Im Herbst werden zudem Tempomessungen vorgenommen werden, welche vorgeschrieben sind, damit die Bahnhofstrasse dann 2009 in eine Tempo-30-Zone umgewandelt werden kann.
In 2 Stunden auf höherem Niveau
Anschliessend führte Gemeindevorstand Christian Mathis-Deichmann seine Behördenkollegen die Landstrasse hinunter: Die Silvrettabrücke, welche momentan umgebaut wird, soll bei einem allfälligen Hochwasser in 2 Stunden angehoben werden können. Im Falle eines totalen Stromausfalles braucht es allerdings 24 Stunden Vorbereitungszeit, damit die nötigen Notstrom-Aggregate bereitgestellt und in Betrieb genommen werden können. Ende Oktober wird der Umbau der Brücke zu Ende gestellt sein. Danach verschoben sich die Anwesenden zum Doggilochsee, wo Vorstand Andreas Mathis genau erläuterte, wo das geplante Schulhaus und der von einer Volksinitiative geforderte Fussballplatz zu stehen kämen. Dabei muss unterschieden werden in Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen (ZÖBA), welche Hochbauten gestatten, und die Zone für öffentliche Anlagen (ZÖBA) ohne Hochbauten. Die Gefahrenzone Rot, nahe der Landquart, dürfte dabei gar nicht bebaut werden, Zone Blau nur nach Erfüllung gewisser Auflagen.
Hochwasserschutz: Neues Projekt ausgeschrieben
Die durch Einsprachen und Gerichtsverfahren verzögerten Umsetzung des Hochwasserschutzes bot das letzte Thema mit Lokaltermin Schulhaus Bündelti. Gemeindepräsident Hübscher rekapitulierte die Sachlage und wies darauf hin, dass man das neue Gesamtpaket jetzt ausgeschrieben habe. Der von Privaten geforderte Damm mit 25 Metern Höhe würde im Problemfall die Alpen massiv überfluten und wurde aus Umweltschutzgründen abgelehnt. Die Rückhaltebecken fassen bei einer Überschwemmung 80000 m3 Geschiebe; momentan können die provisorischen Becken nur gerade 5000 Kubikmeter aufnehmen. Zum Schluss dankte Gemeinderats-präsident Hampi Hobi den Anwesenden für ihre Mühe, ihr Interesse und Engagement. Der Intensivtag – obwohl mit dicht gedrängtem Programm – liess einigen Spielraum für «Chropfleerätä», Brainstorming, Informationen, Gespräche und Schnuppern in einem und sollte bei Gelegenheit unbedingt wiederholt werden. c
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