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Jasmin Nunige war am Samstag die viel umjubelte Siegerin in der Königsdisziplin des Swissalpine Marathon. Die Davoserin benötigte für die 78,5 Kilometer lange Runde 7.00.36 Stunden, mehr als zehn Minuten weniger als Favoritin Elizabeth Hawker, ihre erste Verfolgerin. Für Nunige war es nach 2005 der zweite Erfolg beim K78 – und wie vor drei Jahren folgte er wenige Wochen nach dem Gewinn des Graubünden-Marathons.
Bernhard Camenisch
Die letzten der 78500 Meter rannte Jasmin Nunige an der Seite ihrer Kinder Björn (8) und Fiona (4). Sekunden später konnte sie sich hinter der Ziellinie von Ehemann Guy in die Arme nehmen lassen. Nach sieben Stunden und 36 Sekunden war es geschafft, war Nuniges zweiter Triumph am Swissalpine Marathon Tatsache, und dies bei ihrer erst vierten Teilnahme am K78. Zwar war die 34-Jährige 54 Sekunden langsamer als bei ihrem Sieg vor drei Jahren, doch das war ihr vollkommen egal: «Ich bin überglücklich, dass ich gewonnen habe. Ich habe mein Leistungsoptimum herausgeholt.»
«Nicht erwartet, aber erhofft»
Mit ihrer Zeit wäre Nunige bei den Männern auf den 13. Platz gelaufen. Fast zehneinhalb Minuten betrug ihr Vorsprung auf Elisabeth «Lizzy» Hawker, die als Zweite ins Ziel kam. Die K78-Siegerin der vergangenen beiden Jahre hatte erneut als Favoritin gegolten, doch Nunige hatte bereits im Vorfeld – wenn auch vorsichtig – betont, dass sie Hawker bezwingen könne. «Ich habe den Sieg nicht erwartet, aber erhofft», sagte die Davoserin im Ziel, wo sie ihr strahlendes Lächeln nach den ganzen Anstrengungen rasch wiederfand. Wie schnell Hawker das Rennen angegangen war, hatte aber auch Nunige überrascht. Die Britin tauchte schon wenige Minuten nach dem Start auf der Promenade alleine als Führende des Frauenfelds auf. Bis Filisur vergrösserte sie ihren Vorsprung auf die Davoserin stetig, auf mehr als 90 Sekunden wuchs er allerdings nie an. Sie habe den Rhythmus zu Beginn nicht so locker gefunden, erklärte Nunige, ab Filisur sei es aber sehr gut gelaufen. Im wahrsten Sinne, denn bereits in der Steigung nach Bergün machte sie mehr als die Hälfte ihres Rückstands wett, und dies im Wissen, dass ihr Spezialstreckenabschnitt erst nach der Marathondistanz kommen würde.
Im Aufstieg davongezogen
Was anschliessend folgte, war eine eindrückliche Demonstration: Auf dem Weg durchs Val Tuors nach Chants überholte Nunige Hawker nicht nur, sondern nahm ihr gleich noch fünf Minuten ab. Der Titelverteidigerin, die im Frühling einen Ermüdungsbruch hatte auskurieren müssen, ging es derweil immer schlechter. Beim Aufstieg auf die Keschhütte, mit 2632 Metern über Meer das Dach des Swissalpine, hatte sie mit Magenproblemen zu kämpfen, musste sich übergeben und dachte sogar an Aufgabe. Nunige hingegen machte auch bei der Keschhütte noch einen starken Eindruck und tauchte mit elf Minuten Vorsprung auf Hawker auf. Der Panoramateil zum Scalettapass war für die Davoserin, die sich selbst als «Bergziege» bezeichnet, ohnehin kein Problem. Schon eher der anschliessende Abstieg zum Dürrboden, weil sich die Beine bemerkbar machten. «Wirkliche Probleme hatte ich aber zu keinem Zeitpunkt. Ich bekam auch nie Krämpfe. Die Erfahrung spielte eine grosse Rolle», meinte Nunige.
Vor der Teufi des Sieges sicher
Hawker, die sich nach der Keschhütte wieder erholt hatte, machte auf dem Abstieg etwas Zeit gut. Doch auch wenn Nunige über ihren Vorsprung nicht informiert war, konnte sie nicht wirklich beunruhigt werden: «Vor der Teufi war ich mir sicher, dass mir der Sieg nicht mehr zu nehmen ist.» So konnte sich die 34-Jährige auf den letzten Kilometern auf den Sportplatz freuen, wo ihr das Heimpublikum einen begeisterten Empfang bereitete.
Einen ihrer beiden K78-Siege über den anderen stellen konnte und wollte Nunige nicht: «Beide waren gigantisch und mit einmaligen Emotionen», erklärte sie. Nicht mehr von der Hand zu weisen war, dass der Erfolg am Graubünden-Marathon definitiv ein gutes Omen war. Am 28. Juni gewann sie von Chur auf das Rothorn – ein Formtest im Hinblick auf den K78, den sie mit Bravour meisterte. Sie gewann den 42 Kilometer langen Berglauf, den sie als härter als den K78 bezeichnet, zum zweiten Mal nach 2005. Wenige Wochen später gewann sie damals auch ihr Heimrennen zum ersten Mal. Was sie mit dem gewonnenen Preisgeld vom Samstag macht, wusste Nunige kurz nach ihrem Sieg schon ziemlich genau. Sie werde es wohl im Herbst in Familienferien am Meer investieren. Schliesslich hätten ihr Mann und ihre beiden Kinder grossen Anteil an ihrem Sieg. Nunige meinte damit, dass sie von ihrer Familie den Rückhalt und das Verständnis für ihren Trainingsaufwand hat. Sie betonte aber auch, dass sie nicht sehr zeitaufwendig trainiert, weil sie dafür neben Familie und ihrer Massagepraxis schlicht zu wenig Zeit habe. «Mein Training ist dafür sehr spezifisch», erklärte Nunige.
Auftritt im Sportpanorama
Ihren Sieg feierte die Davoserin am Samstag mit einem Nachtessen im Kreise ihrer Familie. Gross Ausruhen konnte sie sich nach ihrer Parforceleistung indes nicht. Am Sonntag wurden letzte Vorbereitungen für den Umzug getroffen, denn die Nuniges sind gestern in ihr neues Zuhause gezogen. Und am Sonntagabend hatte die 34-Jährige einen weiteren Auftritt, diesmal vor noch viel grösserem Publikum. Sie wurde ins Sportpanorama des Schweizer Fernsehens eingeladen, wo sie von Moderator Jann Billeter empfangen wurde und damit die «Davos-Fraktion» verstärkte. Nunige liess die Fernsehzuschauer auf sympathische Art an ihren Emotionen teilhaben. Für einen Moment konnte sie sich das Lachen nicht verkneifen: Das SF hatte im Archiv gestöbert und fand Bilder der ehemaligen Spitzenlangläuferin, wie sie als 20-Jährige unter ihrem Ledig-Namen Baumann an den Olympischen Spielen in Lillehammer startete.
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