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Gemeinde Davos hat Schlachthaus feil–was ist der Zweck der Übung?

26.06.2008 Archiv Davoser Zeitung

Ein Chiffre-Inserat in der «DZ» hat für Aufsehen gesorgt

 

Ein Chiffre-Inserat in der «Davoser Zeitung» hat für Aufsehen gesorgt: «Gewerbliche Liegenschaft zu verkaufen. Direkter Gleisanschluss vorhanden. Das Grundstück liegt grossenteils in der Zone für Wohnen und Arbeiten Platz/Dorf und umfasst insgesamt 2732 Quadratmeter.» Um was mag es sich wohl handeln?

 

Hans Zimmermann

 

Nun, wer zwei und zwei zusammenzählen kann, kommt leicht darauf, dass es sich bei dieser Liegenschaft nur um das alte Schlachthaus handeln kann, welches heute von der Firma Paul Stiffler & Söhne, Metzgerei AG, Bolgenstrasse 1 betrieben wird. Dieses Grundstück befindet sich im Besitz der Landschaft Davos Gemeinde, die es nun also verkaufen will. Die Sachlage wird insofern kompliziert, als die Gemeinde mit der Firma Stiffler einen noch bis 2016 laufenden Mietvertrag unterzeichnet hat, und dass der neuere Teil des Schlachthauses von der Firma Stiffler selbst im Baurecht erstellt worden ist. Ein Grossteil der zu verkaufenden Parzelle liegt in der Zone Wohnen und Arbeiten (1898 Quadratmeter), 315 Quadratmeter in der Wohnzone und deren 519 im übrigen Gemeindegebiet. Ein verlockendes Angebot also für Spekulanten, wenn da die Ausschreibung nicht die Klausel enthalten würde, die Liegenschaft müsse gewerblich genutzt werden. Nach etwas Zögern haben sowohl Rico Stiffler wie auch die zuständige Landrätin Astrid Heinrich diesen Sachverhalt bestätigt.

 

Weshalb diese Eile?
Wie gesagt: Der Mietvertrag zwischen der Paul Stiffler & Söhne AG und der Gemeinde läuft noch siebeneinhalb Jahre. Rico Stiffler, der Metzgerei und Schlachthaus derzeit zusammen mit seinem Bruder Urs führt, verschwendet nach eigener Aussage keinen Gedanken daran, aus dem bis 2016 laufenden Vertrag auszusteigen. Zwar gebe es innerhalb seiner Familie und auch in der seines Bruders Urs keine Nachfolgereglung, doch auch ein neuer Besitzer werde mit den Stifflers im Schlachthof noch ein paar Jahre leben müssen. Den Zeitpunkt der Ausschreibung bezeichnet Rico Stiffler als «relativ ungünstig». Der Mietvertrag aber werde seine Gültigkeit behalten. So stellt sich denn die Frage, weshalb es der Gemeinde mit dem Verkauf derart eilt. Landrätin Astrid Heinrich gab Auskunft:

 

Abstossen, was möglich ist
Es sei eine Tatsache, dass der Gemeinde derzeit vor allem auch im Hochbau (Kongresszentrum usw.) gewaltige finanzielle Kraftanstrengungen bevorstünden. Es sei eine weitere Tatsache, dass man den derzeit günstigen Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde nach Kräften beibehalten wolle. Und so habe man sich eben entschlossen, abzustossen, was man nicht oder nicht mehr brauche. Und dazu gehörten derzeit neben dem Schlachthof auch das Von- Sprecher-Haus am See und das Schulhaus Dischma. Frau Heinrich betont übrigens, dass es keine Pflicht mehr für die Gemeinde sei, einen Schlachthof zu führen. Für alle drei Objekte gebe es übrigens bereits Interessenten.

 

Zuständigkeiten
Es liegt im Ermessen des Kleinen Landrats Liegenschaftsverkäufe bis zu 750000 Franken zu tätigen. Bis zu einer Verkaufssumme von 2 Millionen ist der Grosse Landrat zuständig. Und jeder Verkauf, der diese 2- Millionen-Grenze übersteigt, muss zwingend vors Volk. Es macht jetzt keinen Sinn, darüber zu spekulieren, wie hoch die derzeitigen Angebote für die drei Objekte wohl sein würden, doch auch laut Frau Landrätin Astrid Heinrich sieht es danach aus, dass das Volk das letzte Wort zum Schlachthaus haben wird.

 

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