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Im Auftrag der Gemeinde werden in diesen Tagen in Davos Platz auf zwei Querprofilen über die gesamte Talbreite seismische Messungen durchgeführt. Diese liefern Aufschluss über die Beschaffenheit des Davoser Untergrunds. Bringen die Auswertungen den erhofften Befund, könnte dies der Grundstein sein, um in Zukunft verstärkt nachhaltige Wärmeenergie aus dem Untergrund zu gewinnnen.
Bernhard Camenisch
Die Erde in Davos bebt in dieser und der nächsten Woche deutlich häufiger als gewohnt. Keine Angst: Die Anregungen sind für Mensch und Natur völlig ungefährlich und derart schwach, dass sie schon wenige Meter von den «Epizentren» entfernt nicht mehr wahrgenommen werden. Die Mini-Erdbeben sind nötig, um der Beschaffenheit des Davoser Untergrunds auf den Grund zu gehen. Mit Unterstützung des Bundesamts für Energie (BFE) lässt die Gemeinde Davos seismische Messungen durchführen.
Zum Gestein und zurück
Zwei seismische Messlinien führen mitten durch das Landwassertal, die eine Anfang dieser Woche auf der Höhe des Kurgartens angelegt, die andere in der kommenden Woche auf der Höhe der Guggerbachstrasse. Entlang einer solchen Linie werden auf dem Boden alle zwei Meter miteinander vernetzte, äusserst hochempfindliche Geophone ausgelegt, insgesamt rund 1000 Stück. Diese erfassen die von den verschiedenen Gesteinsschichten im Untergrund reflektierten Schallwellen. Erzeugt werden solche entweder an der Erdoberfläche mittels eines aus vier Metern Höhe niedergelassenen, 350 Kilogramm schweren Fallgewichts oder mittels Kleinsprengungen in einer Tiefe von 1,5 Metern. «Wir messen die Zeit vom Schusspunkt bis zurück zu den Geophonen. Daraus können wir den Aufbau des Untergrunds bestimmen», erklärt der Geologe und Projektleiter Bernhard Krummenacher von der Geotest AG Davos.
600 bis 800 Meter tief
Die Gesteinsbeschaffenheit zu ermitteln – im Gebiet von Davos fallen die Gesteinsschichten des Aroser Dolomits schräg nach Süden unter das Kristallin der Silvrettadecke ein – ist das eine Wesentliche. Das andere ist herauszufinden, ob im Untergrund Kluftsysteme bestehen, in welchen Wasser zirkuliert. Gian-Paul Colonder, der Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde Davos, und Krummenacher hegen die Hoffnung, dass die gemäss geologischem Modell zu erwartenden Klüfte lokalisierbar werden. Würden die Gesteinsschichten warmes Wasser (Krummenacher rechnet für Davos mit einer Temperatur zwischen 25 und 45 Grad) in genügender Menge führen, könnte dieses bei Bohrungen von 600 bis 800 Meter Tiefe in Zukunft für die Wärmegewinnung genutzt werden. Damit stünde Davos eine erneuerbare und nachaltige Energiequelle zur Verfügung, die erst noch schadstofffrei und klimafreundlicher ist. Dies wäre für eine Gemeinde, in der gemäss CO2-Bilanzstudie momentan rund 25000 Tonnen Heizöl im Jahr verbraucht werden, zukunftsweisend.
Ergebnisse bis im Herbst
Die riesigen Mengen von den durch die seismischen Messungen gewonnenen Daten werden mit zwei leistungsstarken Computersystemen direkt im Gelände in Messfahrzeugen erfasst. Die Auswertung erfolgt durch Geophysiker des Büros GeoExpert AG aus Amlikon, das die Messungen in Zusammenarbeit mit dem lokalen Büro der Geotest AG durchführt. Die geologische Interpretation der Daten erfolgt durch die Geologen der Geotest AG. Bis die Ergebnisse vollständig ausgewertet sind und darüber befunden werden kann, ob eine Testbohrung in Betracht gezogen werden soll, dauert es aber nochmals vier bis fünf Monate.
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