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«Das ist uns sehr peinlich»

10.05.2010 Archiv Davoser Zeitung

Lange schon hat es sich abgezeichnet, jetzt steht fest: Die Alpine Kinderklinik Davos (AKD) ist zahlungsunfähig. Laut Stiftungsratspräsident Luzius Schmid soll noch diese Woche der Konkursrichter benachrichtigt werden. Die Hoffnung aufgeben will der AKD-Stiftungsrat allerdings noch nicht. Als letzten Rettungsversuch will er eine Auffanggesellschaft gründen.

 

Marlène Clemenz

 

«Wir haben zu lange gebraucht, um uns neu zu strukturieren und zu positionieren, sodass uns der Schnauf ausgegangen ist», erklärt Stiftungsratspräsident Luzius Schmid den finanziellen Ruin der AKD. Einleuchtend, liegt der Klinikbetrieb doch seit über einem Jahr still, während gleichzeitig rund 40 Mitarbeiter entlöhnt werden wollen. Dass sich die AKD in einer finanziell kritischen Lage befinde, sei dem Stiftungsrat schon lange bewusst gewesen – was er auch immer offen kommuniziert habe, meint Schmid. «Aber wir haben stets gehofft, die AKD doch noch retten zu können.» Eine Hoffnung auch aufgrund von Erfolgserlebnissen wie etwa der Grundstückverkäufe oder der Rekrutierung Heiko Sältzers als neuer Chefarzt und ärztlicher Direktor der AKD per 1. Januar 2010, erklärt er, und gibt zu: «Wir haben die Situation oft als zu positiv beurteilt.»

 

«Noch keine Zusagen»

 

Nun steht die AKD vor dem Konkurs, der Mietzins fürs Alexanderhaus über 345000 Franken, Lieferantenrechnungen und die Aprillöhne der Angestellten – die Gesamtsumme der Gläubigerforderungen war von Schmid nicht zu erfahren – können nicht mehr beglichen werden. «Das ist uns sehr peinlich», sagt Schmid. Noch diese Woche soll die Bilanz deponiert werden. Der Stiftungsrat will damit aber noch nicht das Handtuch werfen; als letzter Rettungsversuch soll eine Auffanggesellschaft gegründet werden, «in welcher Rechtsform auch immer». Insgesamt würden für einen Neustart dreieinhalb bis vier Millionen Franken benötigt, sagt Schmid. «Wir befinden uns in Gesprächen mit verschiedenen Stiftungen, haben aber noch keine Zusagen.»

 

«Hoffnung stirbt zuletzt»

 

Schmid gibt sich keinen Illusionen hin, zumal die Versuche der vergangenen Monate, Beiträge von Stiftungen oder In-vestoren zu gewinnen, keine Erfolge zeitigten. Eine Tatsache, welche Schmid massgeblich der «schlechten Presse» zuschreibt. «Die Verschreiungen durch die Medien haben viel dazu beigetragen, dass das Vertrauen in uns verloren gegangen ist. Dieses Handicap macht sich auch in den laufenden Verhandlungen bemerkbar», sagt er. «Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.» Schliesslich, so ist Schmid überzeugt, besitze die AKD mit den neuen Räumlichkeiten im Alexanderhaus, dem neuen Team um Sältzer sowie dem neuen Konzept eines breiteren und flexibleren Angebots das Rüstzeug für einen erfolgreichen Neustart – wenn sich denn eine neue Trägerschaft finden lässt. Sollte dies gelingen, werde es auch kaum ein Problem sein, das zur Wiedererlangung der Betriebsbewilligung nötige, noch unvollständige medizinische Personal zu rekrutieren, meint Schmid. «Bewerbungen sind viele bei uns eingegangen.»

 

 

«Auf Neuorientierung gefasst machen»

 

Was die derzeitige AKD-Belegschaft betrifft, so wurde diese bereits vergangenen Monat vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (Kiga) über das Vorgehen bei einem allfälligen Konkurs informiert. In den kommenden Tagen wird auch die Gewerkschaft Syna das Gespräch mit den Mitarbeitenden suchen, wie der Zuständige, Rolf Bless, erklärt. Seine Empfehlung: «Komme, was wolle: Die AKD-Mitarbeiter sollten sich auf eine Neuorientierung gefasst machen und sich bereits jetzt nach einer neuen Stelle umsehen.»


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